Landesarbeitsgemeinschaft
Kunst und Medien NRW e.V.

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NeoEnkel

Hamm
03. Dezember 2017

Alte Fotoalben treffen auf Handydisplays. Im Amalie-Sieveking-Haus in Hamm leben geflüchtete junge Männer mit Senior*innen unter einem Dach. Gemeinsam nutzen sie Wirtschafträume, haben aber jeder ein eigenes kleines Appartement. Es finden gemeinsame Nachmittage mit Kaffee und Kuchen statt, dazu gibt es Ausflüge. Diese heterogene Gruppe hat zwischen Juni und Oktober wöchentlich in einem Fotografieprojekt zusammengearbeitet. Entstanden ist ein Patchwork-Bildband der Kulturen und Generationen. Die Seniorinnen und die ‚neu angenommenen Enkel‘ sind eng miteinander verwoben in der Realität und auch in diesem Bildband. Die Fotografien sind als lose Blattsammlung in Heftform ineinandergelegt, so dass jedes Neusortieren der großen farbigen Doppelseiten eine neue Ansicht hervorbringt. Die Brüche bleiben Teil des Ganzen.

NeoEnkel - generationsübergreifendes Fotoprojekt mit Geflüchteten

generationsübergreifendes Fotoprojekt mit Geflüchteten

Projektinfo
In diesem Wohnprojekt leben 20 Senior*innen und fünf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.  Die jungen Flüchtlinge stammen aus Eritrea, Syrien und dem Iran. Einige der Senior*innen sind ‚Vertriebene’ aus Oberschlesien und Pommern. Auch wenn ihre persönlichen Lebensgeschichten lange zurückliegen, verbindet das Erlebte beide doch sehr, das besonders spür- und sichtbar an einem Projekttag wurde, an dem sich beide Parteien Fotografien aus ihrer Heimat zeigten und plötzlich klar wurde, dass ihre gemachten Erfahrungen viele Ähnlichkeiten aufweisen. Innerhalb einer Fotoschnitzeljagd arbeitete jeweils ein junger Mann mit einer Seniorin zusammen. Sie als ‚Paar’ gemeinsam Dinge ‚ausgeheckt’ und diese dann nachher vorgestellt. Nicht wenige Senior*innen sagten im Anschluss‚LOL’ und wussten was eine WhatsApp ist.
Das Projekt setzte sich zum Ziel Kommunikationsräume zu schaffen zwischen Jung und Alt. Die Menschen konnten sich in diesem schon vorhandenen und geschütztem Raum neu begegnen, die Besonderheiten Ihrer Kulturen erklären und durch die kreative Auseinandersetzung bestehende Berührungsängste dem Fremden gegenüber abbauen. Das entstandene Patchwork-Fotobuch ist das Produkt vieler Nachmittage und fotografischen Aufgaben die zusammen gelöst werden mussten.

Im Laufe unseres mehrmonatigen Fotografieprojekts haben sich beide Gruppen weiter auf aneinander zubewegt. Ergreifende Momente, Erinnerungen aber auch das spielerische Entdecken des Gegenübers und gemeinsames Gelächter helfen, über den Projektzeitraum hinaus, Toleranz aufzubauen und Berührungsbarrieren zu überwinden. Es ist eine sichtbare und spürbare Bereicherung für beide Gruppen. Durch die Anwesenheit der Senior*innen leben die jungen Geflüchteten in einer Art Großfamilie, die sie aus ihrer Kultur kennen und durch ihre eigene soziale Kompetenzen im Umgang mit älteren Menschen bereichern. Die Senior*innen wiederum helfen bei der Verselbstständigung der jungen Männer und haben ein offenes Ohr für die Sorgen der jüngeren. Im Gegenzug bekommen sie dafür eine helfende Hand. Nach dem Auszug aus dem Haus kehren die jungen Männer gerne ab und zu in die dort gelebte Geborgenheit zurück.

Die Projektdokumentation kann bei der LAG Kunst & Medien angefragt werden.

Projektleitung, Kooperation & Förderung

Projektleitung: Iris Wolf & Jörg Meier (selfiegrafen.de)
Zeitraum: Juni bis Oktober 2017
Ein Projekt der LKJ NRW e.V. und der LAG Kunst & Medien NRW e.V. in Kooperation mit dem Betreuten Wohnen am Seniorenzentrum Amalie-Sieveking-Haus, Evangelische Perthes-Stiftung e.V., Wellenbrecher e.V. gefördert vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW.

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