Landesarbeitsgemeinschaft
Kunst und Medien NRW e.V.

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Mutprobe - Tanz trifft Film

Dortmund
15. November 2017

Nachts ins Schwimmbad? Regenwürmer essen? Hand ins Feuer? Fremde ansprechen? In heutigen Zeiten scheinen diese Abenteuer banal. Aber sind sie es auch? Oder gehören sie zum Jungsein, egal was man schon erlebt hat? Drei Wochen hatten geflüchtete und nicht-geflüchtete Jugendliche Zeit diesen Fragen tänzerisch und filmisch auf den Grund zu gehen. Sie nutzten ihren Körper und ihren Geist, um zum Ausdruck zu bringen, was sie bewegt. Sie entdeckten Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit der Kamera und in Choreografien. Sie arbeiteten zusammen, sie wuchsen als Gruppe zusammen und schufen gemeinsam ein filmisches Werk der die Wurzeln und persönlichen Erfahrungen der Einzelnen thematisiert und dadurch viel erzählt über das Erwachsenwerden im Allgemeinen.

Mutprobe - Tanz trifft Film - Tanz-Film-Produktion mit geflüchteten Jugendlichen

Tanz-Film-Produktion mit geflüchteten Jugendlichen

Projektverlauf
Wofür brauchen wir Mut? Das fragten sich in den Sommerferien 2017 fünfzehn Jugendliche aus NRW, mit Wurzeln in elf verschiedenen Ländern: Deutschland, Frankreich, Spanien, Albanien, Syrien, Irak, Eritrea, Tschad, Ginea, Nigeria, Japan.
Innerhalb von drei intensiven Wochen lernten die Jugendlichen verschiedene mediale und tänzerische Ausdrucksformen zur Umsetzung ihrer Ideen kennen und haben – angeleitet durch professionelle Tänzer*innen und Filmschaffende – ihren eigenen Tanzfilm produziert.
In der ersten Woche lag der Fokus darauf, die Jugendlichen kennen zu lernen und ihre Art, sich zu bewegen. Die Jugendlichen entwickelten in dieser Zeit eine individuelle Bewegungssprache. Um diese Bewegungssprache zu finden, nutzten wir das Mittel der Improvisation und der Kontaktimprovisation in Kombination mit vorgefertigtem Bewegungsmaterial. Auf Basis der persönlichen Geschichten und Ideen, die die Jugendlichen zum Thema Mutproben einbrachten, ihren  Emotionen, Gedanken und Texten entstanden kleinere Szenen und Choreografien, die zu späteren Solos und Gruppenchoreographien führten.
In der zweiten Woche ging es um die filmische Umsetzung der erarbeiteten Choreografien. Wir besuchten gemeinsam Orte in Dortmund, an denen die Jugendlichen ihre Choreografien in den öffentlichen Raum einbetteten. Die Jugendlichen sollten untersuchen, wie Tanz und Sprache und anschließend das Bild auf der Leinwand zusammen hängen, sich ergänzen können, wann Sprache in Bewegung übergeht und wie diese filmisch ihre Wirkung entfaltet. Die Teilnehmenden übernahmen hier sowohl vor als auch hinter der Kamera je nach Interesse Aufgaben der Kameraführung, Regie und Bildkomposition.
In der dritten Woche wurde das Rohmaterial gesichtet und der Film geschnitten. Hier lernten die Jugendlichen außerdem, den Szenen einen Rhythmus zu geben, den sie durch den Schnitt und den Gebrauch der Musik und des Sounddesigns gestalteten. Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Material konnten die Teilnehmenden sehr gut einordnen, was sie beim Dreh/Tanz gut gemacht hatten oder was nicht so gut geklappt hat.

Am 1. Oktober 2017 fand die Erstaufführung des Films im Kino im Dortmunder U statt.

Auswertung
Auf der sozialen Ebene: In dem Zusammenführen verschiedener sozialen Gruppen bot das Projekt Jugendlichen aus internationalen Förderklassen sowie "Alteingesessenen" die Gelegenheit der Annäherung und des Erfahrungsaustausches. Durch das spartenübergreifende Arbeiten im Projekt fanden Jugendliche mit ihren verschiedenen Begabungen und Interessen einen Platz und konnten ihr Können einbringen und weiterentwickeln.
Auf der inhaltlichen Ebene: Vorgegeben war im Projekt lediglich das Oberthema: Mutprobe. Dies mit konkreten Geschichten, Bewegung, Choreographie und filmischer Umsetzung zu füllen, war Aufgabe der Gruppe. Den Dozent*innen kam in diesem partizipatorischen Prozess eher die Rolle von „Hebammen“  zu, die Vorschläge machen, Anregungen geben, provozieren und unterstützen, um den Jugendlichen einen Weg zu ihrer ganz persönlichen Ausdrucksform, ihrem Werk zu ebnen.
Auf der künstlerisch-formellen Ebene: Integrativer Bestandteil des Projektes war die gleichberechtigte Auseinandersetzung mit körperlich-tänzerischen und audiovisell-filmischen Mitteln. Wie beeinflussen sich Tanz und Film gegenseitig? Welche „Sprache“ spricht der Tanz, welche der Film? Ist diese „Sprache“ überall auf der Welt gleich oder haben Menschen aus verschiedenen Herkünften andere Assoziationen, nutzen sie andere Bilder? Welche Bedeutung hat Tanz, haben Sprache und Bilder in den unterschiedlichen Kulturen? Im Projekt (er)fand die Gruppe eine gemeinsame neue Sprache, welche die Mittel des Tanzes, des Films, der gesprochenen Sprache, Geräusche und Musik als Ausdrucksformen nutzt und zusammenführt.

Projektleitung, Kooperation & Förderung
Leitende Referentinnen: Vera Schöpfer (YOUNG DOGS) & Julia Riera
Dozent*innen: Salim Ben Ammar (Parcour), Lin Verleger (Breakdance), Jonas Schmieta (Kamera) & Philip Hallay (Schnitt)
Projektzeitraum: 17.07. bis 04.08.2017
Eine Veranstaltung der Landesvereinigung kulturelle Jugendarbeit NRW in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft Kunst und Medien NRW, der Landesarbeitsgemeinschaft Tanz NRW und YOUNG DOGS - Junge Akademie für Dokumentarfilm im Dortmunder U.
Ermöglicht wurde das Projekt durch eine Sonderförderung des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein Westfalen.

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