Landesarbeitsgemeinschaft
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Emotionen erblühen

Willich
12. August 2019

Knoten im Kopf. Demenz ist ein hochsensibles und schwieriges Thema in der Gesellschaft - vor allem deswegen, weil kaum darüber gesprochen wird. Dabei geht es uns alle (irgendwie und irgendwann) in unserem Leben an. Im Rahmen des Projekts "Denk Mal" des Kulturforums Willich e.V. haben sich internationale Jugendliche zusammen mit den Künstler*innen Beate Krempe und Waleed Ibrahim auf eine Reise in die Gedanken- und vor allem Gefühlswelt von Menschen mit Demenz eingelassen.

Emotionen erblühen - Bildende Kunst

Bildende Kunst

"Was die Menschen mit Demenz tun, hat meistens keinen Zweck, aber immer einen Sinn, und den gilt es zu entdecken. Dann sind die Menschen keine bedauernswerten Geschöpfe, sondern Personen mit dem Recht auf unvernünftige Selbstbestimmung."

An drei Nachmittagen haben sich Kinder und Jugendliche an der Installation "Begehbares Gehirn" der Künstlerin Beate Krempe getroffen.
Dieses 4x4 Meter große Gehirn, dass von außen recht "normal" aussieht offenbart beim Betreten ein kreatives Chaos. Hier ist einiges durcheinander geraten: Unsortierte Bilder von vergangenen Festen und Ausflügen reihen sich aneinander - manche tragen Jahreszahlen oder Namen auf der Rückseite. Andere sind verblichen oder zerknittert. Sie zeigen glückliche Momente, aber ohne die Verknüpfungsleistung eines ordnenden Geistes bleiben sie stumm für die Besucher*innen. Geknotete Taschentücher mit kleinen Erinnerungszetteln hängen von der Decke. Bloß nichts vergessen!
In dieser Szenerie trafen die Jugendlichen auf den Demenzexperten Erich Schützendorf. Zusammen wurde intensiv über das Thema "Demenz" gesprochen: "Anders sein" und mal nicht so zu funktionieren wie es das Umfeld von einem erwartet sowie der Umgang mit  alten Menschen in anderen Kulturen wurde gemeinsam erörtert.
Als Konsens wurde das Recht auf Individualität und "ein bisschen verrückt sein" gefunden.
Auch fanden offene Gespräche über eigene Betroffenheit (Nachbarn und Familie) statt.

Aufgrund der Erkenntnis, dass an Demenz erkrankte Menschen auf der emotionalen Ebene keine Einbußen haben – sondern im Gegenteil, die Gefühlsebene sich noch verstärkt, wurde das begehbare Gehirn mithilfe der Kunst auch von Außen zum „erblühen“ gebracht. Dafür erschufen die Teilnehmenden Symbole, Tiere und Pflanzen aus Pappmaché die wichtige Emotionen darstellen:
Angst: Krokodil - Bombe - Schlange
Freude: Blumen - Blüten
Hoffnung: Feuervogel
Gelassenheit: Fisch

Dies Skulpturen wurden an den Projekttagen gemeinsam gebaut und am Gehirn installiert. Das Projekt bot den Teilnehmer*innen die Möglichkeit sich künstlerisch und individuell mit dem Thema auseinanderzusetzen und Einblicke in die oft "wundersame" Erlebniswelt von Demenzerkrankten zu gewinnen.

Projektleitung, Kooperation & Förderung
Leitende Referent*innen: Beate Krempe & Walled Ibrahim
Teilnehmerstruktur:  11 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren
Projektzeitraum: 28. Mai bis 5. Juli 2019
Ort: Willich
Das Projekt fand in Kooperation mit dem Kulturforum Willich e.V. statt.
Ermöglicht wurde das Projekt durch das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein Westfalen.

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